Demokratie für Alle? CSD? #Bayern? §175

§175 und seine Auswirkungen bis heute

In Bayern galt bis 1871, bis zum Beitritt des Königreich Bayern zum Deutschen Reich, französisches Recht, das keine Verfolgung der Homosexualität kannte.

Vor 150 Jahren hat uns König Ludwig II. mit dem Verkauf Bayerns an das neue Kaiserreich gegen eine Menge Geld aus Bismarcks „Reptilienfonds“ für den Bau seiner Schlösser, die nach seinem Willen nach seinem Tode in die Luft gesprengt werden sollten, statt dem bisher geltenden französischen Recht (ohne einen solchen Paragraphen) das preußische Kaisertum und sein Strafrecht mit den §§175 eingebrockt.

Aber in Täuschland schreiben wir unsere Geschichte immer schön, wie alle ReGierenden, machen aus Ludwig einen traurig verirrten gemordeten Märchenkönig und in München auch aus einer Siegesgöttin nach dem 1870er Krieg gegen Frankreich einen „Friedensengel“.

Kein Kuß mehr, Reinheit … Königtum!

Ein Juristentag 1867 in München im Odeon erlebte einen Eklat:

Aus seinem eigenen Erleben kam Karl Heinrich Ulrichs zu seinen Forschungen über das Räthsel der mannmännlichen Liebe und schaffte es als Anwalt, seine Forderung erstmals öffentlich vorzustellen:

Auf dem deutschen Juristentag in München vor 500 Mitgliedern rief diese jedoch tumultartige Szenen hervor, in denen seine Rede unterging. Ulrichs war stolz auf diesen Auftritt und schrieb dazu später:[6]

„Bis an meinen Tod werde ich es mir zum Ruhme an rechnen, daß ich am 29. August 1867 zu München in mir den Muth fand, Aug’ in Auge entgegenzutreten einer tausendjährigen, vieltausendköpfigen, wuthblickenden Hydra, welche mich und meine Naturgenossen wahrlich nur zu lange schon, mit Gift und Geifer bespritzt hat, viele zum Selbstmord trieb, ihr Lebensglück allen vergiftete.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Heinrich_Ulrichs

Vor gut 100 Jahren

trafen sich gute Bürger wie ein Apotheker, Mediziner und Juristen, gegen den § 175 und die Erpressungen und Selbstmorde im Wissenschaftlich Humanitären Comitee München, und unterstützten die Bemühungen von Magnus Hirschfeld in Berlin und seiner Zeitschrift.

Gleichzeitig hatte ein Postkarten-Verleger August Fleischmann begonnen, neben den schönen Postkarten-Bildchen am Marienplatz auch kleine Schriften gegen den §175 zu drucken und zu verkaufen. Ausführlicher auf den Seiten des Queeren Archiv München in der Chronik.

Die Sexual-Ordnung der Nazis, Erfolge und Versagen

Nach der Revolution 1918, zu deren Zeit schon etliche von Bisexualität und Freier Liebe schrieben und sprachen, wie Sigmund Freud und sein Schüler Otto Gross am Monte Verità und in Schwabing und Berlin, ging es in München erst mal rückwärts in die bürgerliche Reaktion und in alte Weltbilder der Kirchen, die auch im Faschismus herrschten, 1934 wurden die Ausführungen verschärft, schon der Verdacht reichte zum Konzentrationslager, im Postfaschismus der 1950er und 1960er Jahre wurde der §175 in der verschärften Form der Nazis von den Gerichten weiterhin exekutiert:

Polizeispitzel und Gefängnis, keine Entschädigung für KZ-Aufenthalt und ermordete Angehörige, regelmäßig zerstörte Berufswege und Existenzen, Erpresser und Selbstmorde führten die Alpträume der Nazi-Politik weiter, und die traurigen Ergebnisse der Mutterorden-Politik, von der zuerst noch schwul geleiteten SA bis in Lagerbordelle brachte keine steigenden Geburten-Raten, aber Blut- und Rassenwahn bei Vielen bis heute.

„1. September 1969: In der Bundesrepublik Deutschland tritt das 1. Strafrechtsreformgesetz teilweise in Kraft. Dies bewirkt auch eine Änderung des §175, wodurch gleichgeschlechtliche Sexualkontakte unter erwachsenen Männern (damals ab 21 Jahren) erstmals seit 1532 im gesamten zu Deutschland zählenden Gebiet nicht mehr strafbar waren.“ https://de.wikipedia.org/wiki/1969

Vor 50 Jahren

war dann zuerst die studentische Befreiungsbewegung in Gang gekommen, mit dem Film von Rosa von Praunheim, mit Studentengruppen und im Untergrund: In den USA hatten 1956 Allen Ginsberg und sein Verleger von der Beat-Generation noch ein Verfahren wegen positiver Erwähnung der Homosexualität, bis durch die junge Bewegung der Hippies und Vietnamkriegs-Gegner 1962 die Strafbarkeit in Virginia abgeschafft wurde. https://nachkriegskinder.wordpress.com/2021/11/11/verfolgung-%E2%88%86175

Der §175 hat viele Biografien beschädigt

Erpressungen und Selbstmorde Die Angst wirkt bis heute weiter: Das Geschrei an den Schulen gibt es bis heute: „Schwule Sau!“ oft als falsch ausgedrückte Abwehr gegen körperliche Übergriffe unter pubertierenden Jungs, denen es um Rangelei ging, aber niemand fühlt von außen die Scham und Angst eines Jungen, der sich zu Kameraden mehr hingezogen fühlt als zu den reiferen Mädchen, die mit ihrer rechthaberischen Mädchenscheisse beschäftigt sind: Aussehen, Besonderheiten, Mode, Schminke, …

Mord und Totschlag

Stricher sind oft nicht mit den Wünschen und Bezahlungen zufrieden, Leute wie Sedlmayr und Moshammer starben an ihren Ängsten vor einem offenen Leben ihrer Neigungen:

„Tabu Homosexualität

Dass Walter Sedlmayr, der Inbegriff eines Paradebayern, schwul ist, wissen fast alle in seiner unmittelbaren Umgebung, aber keiner spricht es an. Es sind die 1970er- und 80er-Jahre. Er selbst verbirgt, in welchem Zwiespalt er lebt. Vermutlich die schwierigste Rolle seines Lebens.

„Es wussten sicher alle Lokalreporter, alle Regenbogenpressendings,“ so Elmar Wepper, „dass der Walter schwul war. Und das war tabu, das war überhaupt kein Thema. Das wurde nie thematisiert.“

Tragisches Ende

Anfang der 1980er-Jahre ist Sedlmayr auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Im Fernsehen und im Radio. Seine Reisereportagen sind Straßenfeger, die Hörfunk-Serie „Er und Sie“ mit Ruth Kappelsberger Kult. Als Werbeträger für eine Münchner Großbrauerei ist er omnipräsent. Und ab 1982 ist Sedlmayr zum ersten Mal Fastenredner auf dem Münchner Nockherberg. Dann, am 15. Juli 1990, eine schockierende Meldung in den Nachrichten: Am 14. Juli 1990 wird Walter Sedlmayer tot in seiner Wohnung aufgefunden.“ https://www.br.de/nachrichten/kultur/der-paradebayer-walter-sedlmayr-waere-heute-100-geworden,V7Q2wo6

Unter den Ständen natürlich alle Akteure in den Städten, wie das Forum Queeres Archiv, von dem etliche Akteur*innen auf einigen der wohl 46 bayrischen CSD’s unterwegs sind:

CSD Termine und Pride Paraden in Europa, Deutschland

Stonewall steht als Stichwort für die Gegenwehr in der Christopher Street, am STONEWALL INN, 1969, als sich diverse trans- und queere Personen gegen Übergriffe aus Polizei und von Wirten wehrten, eine Razzia die Belästigung abwehrte und folgende Demonstrationen die Diskriminierung lautstark deutlich machten.

 „Stonewall, kurz für Stonewall-Aufstand oder Stonewall-Unruhen, war eine Serie von gewalttätigen Konflikten zwischen LGBT-Personen und Polizeibeamten in New York City. Die ersten Auseinandersetzungen fanden in der Nacht zum Samstag, dem 28. Juni 1969 ab etwa 01:20 Uhr statt, als Polizeibeamte eine Razzia im Stonewall Inn durchführten, einer Bar mit homosexuellem und transidentem Zielpublikum in der Christopher Street an der Ecke der 7th Avenue im Greenwich Village.

Das Ereignis wird von der LGBT-Bewegung weltweit als Wendepunkt im Kampf für Gleichbehandlung und Anerkennung angesehen. Pride-Paraden, im deutschen Sprachraum oft in Anlehnung an die Stonewall-Unruhen Christopher Street Day (CSD) genannt, haben hier ihren Ursprung.“

Horst Middelhoff und sein Freund Tommaso vor dem Stonewall-Inn https://de.wikipedia.org/wiki/Stonewall

Do 4. Juni mit dem DJ und Musiker Jens Poenitsch und dem Künstler und Verleger Martin Arz um 21h in der Redaktion queeruferlos – das queere Radio für München und Umkreis auf Radio Lora 92,4 im Internet zu hören -rund um die Uhr auch Wiederholungen

Eine neue Band am CSD, die alte Formation und dazwischen viel als DJ – und ein Buch über munich sounds: Radio Lora auf Mastodon muenchen.social

Ausstellung „Marching on – Queere Proteste fotografiert von Horst Middelhoff“

Die Ausstellung „Marching on – Queere Proteste fotografiert von Horst Middelhoff“ präsentiert eine fotografische Retrospektive schwuler und queerer Protestbewegungen von den 1980er bis zu den 2000er Jahren in München, Berlin und den USA.

Die Aufnahmen stammen aus dem Nachlass des im Frühjahr 2025 verstorbenen Fotografen und Aktivisten Horst Middelhoff, der sich mehr als 50 Jahre lang leidenschaftlich für die schwule Szene Münchens engagierte und diese zeitlebens mit seiner Kamera begleitete.

Aufklären und Dokumentieren waren ihm stets wichtig: Er setzte sich unter anderem für die Stärkung queerer Sichtbarkeit, die Abschaffung des §175 und für die Errichtung eines Rosa-Winkel-Gedenksteins in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein.

Zudem bereicherten Middelhoffs Textbeiträge und Fotografien die Szeneblätter „Südwind“, „Sergej“ und „Leo“.Die Ausstellung wird im Rahmen der Münchner Pride Weeks zu sehen sein.

Ausstellungseröffnung ist am 18.06.2026 um 19:00 Uhr im Graf Rumford Bar & Galerie (Rumfordstraße 32). Ein Projekt der PLATFORM München (Münchner Arbeit gemeinnützige GmbH) in Kooperation mit dem Forum Queeres Archiv München e.V. Mein Beitrag zur Vita: ketzerbrevier.wordpress.com/2026/05/26/freunde-im-leben

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