Die Ausgangslage sind für mich die Menschenrechte,
nicht die alten römischen Besitzrechte, die wir über das preussische Staatsrecht im Deutschen Reich wieder verordnet bekamen:
Bayern hatte mal die Französische Gesetzgebung, als Napoleon sich für den Beistand mit der Königswürde an die Wittelsbacher bedankte, noch Franken dazubekam, weil Tirol an Österreich ging (und Südtirol an Italien?)
Das Französische Recht hatte die Erfahrungen und Kämpfe der Französischen Revolution aufgenommen und damit die Grundlagen der Menschenrechte, die bei uns erst später und nur grundsätzlich in Verfassungen und Grundgesetz aufgenommen wurden:
Aufklärung – eine deutsche Tradition?
Der Wille zum Wissen war ein Zeit lang in der Wissenschaft die höchste Rangstufe, und der wissenschaftliche Disput stand über allen Rücksichten der Dogmatiken und Zensurbehörden, Kant und KollegInnen hatten viele neue Arbeitsformen an den Hochschulen etabliert, die eine Zeit lang eine legendäre Geistesfreiheit erzeugten, auch die Liberalitas Bavariae war eine wissenschaftliche und literarische öffentliche Auseinandersetzung.
Kritik ist / war eine deutsche Fähigkeit
Sie hatte aber schon in der Kaiserzeit ihre Grenzen: Juden durften nicht Professoren werden, verschärft in der Zeit nach den Räterepubliken und noch einmal im „Tausendjährigen Reich„, das für die Fähigkeit der Kritik tödlich wurde. Der Militarismus hatte das Recht außer Kraft gesetzt.
Aus dem Exil kam zwar manche kritische Stimme zurück, doch wehrte sich die „Wiederaufbau-Generation mit ihrem schlechten Gewissen und ihrem stillen Wissen um die wieder in Ämter gerückten Nazis und Richter gegen jede Aufklärung. Das gemeinschaftliche Selbstlob ersetzt die qualifizierte Auseinandersetzung, das Leben in Parteien und Denk-Nischen von beruflichen Fachsprachen ersetzt die Verantwortung.
Der Wandervogel nahm den Faden auf,
den die Wissenschaft in den Hochschulen vorbereitet hatte, und baute mit seinen Bünden und Gruppen eine Gemeinschafts-Bewegung, die ohne Saufen und Rauchen ein demokratisches Gegenmodell zu den hierarchischen Burschenschaften entwickelte.
„Das Treffen 1913 am Hohen Meißner als „Fest der Jugend“ und Treffen der Jugendbewegung mit 2.000 bis 3.000 Teilnehmern … Fast hundert Jahre nach dem Wartburgfest von 1817 war der Freideutsche Jugendtag das erste große Treffen einer sich emanzipierenden Jugend in Deutschland, hier der einladenden Jugendbünde.“ (wikipedia)
In dieser Tradition wuchs auch Robert Jungk auf, war Teil der jüdischen Bünde und floh, als er nach dem Reichstagsbrand an der Humboldt-Uni beim Abreißen von Nazi-Plakaten festgenommen worden war, durch einen Trick als Ski-Tourist in die Schweiz.
Die Zukunftswerkstatt als Methode demokratischer Zusammenarbeit
nahm über Robert Jungk nicht nur das Grunddenken der dialogischen Lernformen in den jüdischen Schulen auf, er hatte bei dem Arbeiterpriester Danilo Dolci das Prinzip „sehen -urteilen-handeln“ in das Prinzip „Kritik – Utopie – Strategie“ umzusetzen gelernt. Dieses Prinzip wirkte massiv in die innovativen Bewegungen der 70er Jahre bis zur Friedenbewegung, so lange erneuernde Formen in der Bildungsarbeit ernst genommen wurden.
Heute wird die Methode der Zukunftswerkstätten vor allem in der Bürgerbeteiligung eingesetzt, aber auch in beteiligungs-orientierten Verbänden. Leider nennen sich inzwischen Firmen und Partei-Stiftung, Parteien ihre Vortragsreihen so, ohne dass dort wirklich kritisches Denken und die Ideen der Beteiligten zu Wort kommen.
Eine Demokratiewerkstatt
Eine Demokratiewerkstatt braucht Geschichte als Grundlage: Die Demokratie wurde mühsam mit vielen Toten erstritten, von den #Bauernaufstände’n bis zu den Räterepubliken wurde sie von Adel, Besitzenden, Kirchen und Militär immer propagandistisch und tödlich bekämpft: Das wirkt in der Ideologie und im Moralin bis heute:
Die Kluft wird von den einflussreichen Reaktionären im Geld der Reichen wieder aufgemacht, und die Queeren, diesmal die Trans* und die Frauenrechte sind wieder das Einfallstor:
Gendern wirkt erst lächerlich, bei der Abtreibungsfrage kippt es beim höchsten Gericht, und die Datensammlungen zu #inter und Trans* erinnern an alte Verfolgungslisten: §175 ist noch nicht wirklich aufgearbeitet.
Demokratie heißt nicht #Parteien und #Wahlen: Sie bedeutet Bürgerrechte und nicht Lobby- und Polizeistaat der Reichen, sie bedeutet Selbstorganisation und Räte von unten bis oben, mit Delegierten, die auch abberufen werden können, wenn sie ihre Region nicht gut vertreten.
https://netzwerk-gemeinsinn.org oder psychische Geschichtsarbeit zur Vertiefung oder zum Weiterlesen?
In Bayern haben wir seit langer Zeit die Macker an der Macht,
die jeweils härtere Strafen und Durchsetzungskraft fordern:
„Dieser Drang nach Härte“

| Eva von Redecker – „Dieser Drang nach Härte“ |
| Doch woher kommt diese Neigung zum Autoritären, die auf der Tagung in Jena kritisch-kommunikativ analysiert werden soll? Einige sehr gute und durchaus überraschende Antworten bietet das neue Buch der Philosophin Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus. Sie beschreibt den neuen Faschismus als radikalisierten Besitzanspruch. Ihr Schlüsselbegriff: der Phantombesitz. Gemeint ist ein imaginärer Verfügungsanspruch auf Dinge wie Nation, traditionelle Geschlechterordnung oder den eigenen (imperialen) Lebensstil – Dinge, über die man gar nicht verfügt, die aber gewaltsam verteidigt werden, als stünden sie einem zu. |
| > zum Buch |



