Pluriversum braucht Zusammenarbeiten

Das Pluriversum:

Pluriversum: Lexikon des Guten Lebens für alle

Transformativ – Gemeinwohlorientiert – Machtkritisch – kooperativ – international Gemeinschaftlich – Global solidarisch – Gerecht – Inklusiv – Einfühlsam – Gleichberechtigt

Eine Chance für Globales zivilgesellschaftliches Engagement?

Die Grenzen des lokalen und nationalen Denkens bewusst machen:
Pluriversen:
Ein Kompass für eine grundsätzliche sozial-ökologische Transformation weltweit

Zusammenleben mit Unterschieden und Vielfalt; eine Gesellschaft, in der individuelle Autonomie und Kreativität vorherrschen, anknüpfend an Ivan Illich und Paulo Freire

„Die kritische Pädagogik wurde vom brasilianischen Philosophen und Pädagogen Paulo Freire begründet, der sie mit seinem Buch von 1968, Pädagogik der Unterdrückten, förderte. Anschließend verbreitete sie sich international und entwickelte eine besonders starke Basis in den Vereinigten Staaten, wo Befürworter versuchten, Mittel zur Bekämpfung von RassismusSexismus und Unterdrückung durch den Unterricht zu entwickeln.

Im Laufe des Wachstums integrierte sie Elemente aus Bereichen wie der Menschenrechtsbewegungder Bürgerrechtsbewegungder Behindertenrechtsbewegungder Bewegung für indigene Ureinwohnerder postmodernen Theorieder feministischen Theorieder postkolonialen Theorie und der queeren Theorie“ … steht nur in der englischen Fassung der Kritische Pädagogik – Wikipedia, die dt. „Erziehungswissenschaft“ negiert noch die internationalen Bewegungen.

Ruf nach sozial-ökologischer Transformation

„Die derzeitige Krise des Planeten hat eine zivilisatorische Dimension angenommen. Noch nie sind so viele entscheidende Aspekte des Lebens gleichzeitig gescheitert, und noch nie waren die Erwartungen an die Zukunft so unsicher.

Die Umweltprobleme lassen sich nicht länger verbergen, egal wie mächtig die Leugner*innen sind. Es ist auch unmöglich, die enormen globalen sozioökonomischen Ungleichheiten zu verbergen, die in dem Maße zunehmen, wie sich die „Entwicklung“ wie ein mutierter Virus über die Welt ausbreitet.

Diese Krise ist in allen Bereichen zu sehen und zu spüren: ökologisch, wirtschaftlich, sozial, politisch, ethisch, kulturell und spirituell.

Ironischerweise werden diese Krisen von rechten Kräften genährt, um die Unterstützung der Ausgegrenzten zu gewinnen, mit falschen, aber verlockenden Bildern darüber, wie „die anderen“ uns „unsere“ Arbeitsplätze, Ressourcen und unser Glück wegnehmen. Infolgedessen wird der demokratische Prozess von Gewalt und Unterdrückung überlagert.“ https://www.opendemocracy.net/en/oureconomy/development-colonialism-disguise/

Warum Pluriversum?

„Die Welt befindet sich in einer Krise von noch nie dagewesenem Ausmaß, hervorgerufen durch ein herrschendes Regime, das zu immer größeren Ungleichheiten, zunehmender Entbehrung in alten und neuen Formen, der Zerstörung von Ökosystemen, einem katastrophalen Klimawandel, Rissen im soziokulturellen Gefüge und der gewaltsamen Enteignung von Lebewesen geführt hat.“ https://globaltapestryofalternatives.org/introduction

Wachsendes Risiko einer „globalen Polykrise“:

Klimaerwärmung, Verlust biologischer Vielfalt, Pandemien, wachsende wirtschaftliche Ungleichheiten, Instabilität des Finanzsystems, ideologischer Extremismus, schädliche soziale Auswirkungen der Digitalisierung, Cyberangriffe, Zunehmende soziale und politische Unruhen, Zwangsmigrationen in großem Maßstab, Eskalierende Gefahr eines Atomkriegs (Global Policy Forum, Jens Martens)

Unser Denken, unsere Medien und unsere Uni-Versum-Universitäten

Und unsere Ausbildungen und Zertifikate sind immer noch zu sehr auf alte Bücher und den dt. Sprachraum konzentriert, weil die jungen mehrsprachigen Menschen und ihre Ideen darin meist noch wenig vorkommen: Davon wird das meiste noch dazu von den eurozentrischen reaktionären Alten und Reichen als „woke“ ohne wirkliche Kenntnis und Wahrnehmung abgelehnt.

Es gab immer viele Denkräume, Kulturen und Weltvorstellungen, aber unser Kolonialismus wollte ihnen die Bibel, den Koran und den einen eifersüchtigen Gott aufdrücken. Aus den regionalen Widerständen entstand auch die Aufklärung und das Denken in Menschenrechten bei uns, die uns die ersten Formen der Demokratie und die Abschaffung von Adel, Monarchie, Militarismus- und Religionsherrschaft.

Demi-kratie war nicht das Ziel

Nicht die halbe Demi-kratie , dass wir Parteien und deren Wahl-Männer /-Leute wählen dürfen, sondern die ganze Demokratie, in Räten auf allen Ebenen, die uns betreffen, mitsprechen und unsere dort bestimmten VertreterInnen auch abberufen oder zur Rechenschaft bitten können, das wären reife Formen.

Eine konkurrierende Part-ei-en-Landschaft aus der Kaiserzeit kann nicht die einzige Form der Demokratie sein, die seit der Revolution und Rätezeit, besonders seit dem Kalten Krieg und der Einparteien-Vorstellung der marxistisch inspirierten Staaten verteidigt wird. Lobbykratie war allerdings auch nicht die Absicht des Grundgesetzes, das noch meinte: „Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit,“ aber China wird ja unser Freund … wie Serbien, für das Lithium.

Hannah Arendt betont, dass die direkte Demokratie eine Form der politischen Teilhabe ist, die es den Menschen ermöglicht, direkt am politischen Prozess teilzunehmen. Sie argumentiert, dass direkte Demokratie eine Möglichkeit ist, die Pluralität der Menschen zu respektieren und zu fördern, indem sie die Perspektive des anderen einnimmt und politische Entscheidungen auf konkreten Ebenen treffen. Arendt warnte vor den Gefahren von repräsentativen Demokratien und bevorzugte Rätesysteme sowie Formen direkter Demokratie, um die Freiheit und Gleichheit der Menschen im politischen Raum zu schützen.  http://hannaharendt.net

Der Ursprung des „Pluriversum“

Hintergrund/Quelle: „Aufruf“ von Walter D. Mignolo und vielen Aktivist*innen insb. aus Lateinamerika:
Wertschätzung / Zuwendung zu nicht-westlichen Werten, Perspektiven und gesellschaftlichen Praktiken
„Moderne, egozentrische Persönlichkeiten werden vom Wettbewerb angetrieben; dekoloniale und gemeinschaftliche Persönlichkeiten werden von der Suche nach Liebe, Geselligkeit und Harmonie angetrieben“ (Mignolo 2000b)

Historisch: Laut Mignolo Begriff „Pluriverse“ Wurzeln bei Zapatistas (Eine Welt in der viele Welten Platz haben) und Franz Hinkelammert/Enrique Dussel („Transmoderne“ statt „Postmoderne“)

Nach Mignolo: Pluriverse möchte nicht die Welt ändern, sondern die Art die Welt zu verstehen

→ das wiederum ändert dann die Art wie wir leben (wollen)
→ Lasst uns im Pluriversum statt im Universum leben!

„Pluriversum“ im belly of the beast (im Globalen Norden)

Hinweis (z.B. von Prof. Evan Barba): Notwendigkeit, Selbstreflexion zu betreiben (z.B. gute Kritikkultur, Empathie etc.) → Gute*r Designer*in für Change heißt: Erforschen/Entdecken/Aufdecken der „Brillen“, (Linsen), durch die wir auf die Welt(en) schauen + Voreingenommenheit (Vorurteile, Subjektivität etc.) „auspacken“/auf den Tisch bringen/transparent machen

→ Dann: Neues „Design“

Die „Grundbausteine“ des Pluriversum

Eine Plattform, wo Gruppen und Einzelpersonen ihre Erfahrungen und ihr Wissen austauschen, zusammenarbeiten und reflektieren. Dies ermöglicht gemeinsames Lernen unter Gleichgesinnten und die Vision einer global gerechten und umweltbewussten Gesellschaft. Außerdem Möglichkeit, sich gemeinsam für politische und systemische Veränderungen einzusetzen. (angelehnt an den Zusammenschluss Vikalp Sangam)

„Ein Pluriversum ist eine Welt, in der vielfältige Hoffnungen gesät werden können, vielfältige Möglichkeiten kultiviert werden können und eine Vielzahl von sinnvollen Leben erreicht werden kann durch die sehr unterschiedlichen und fürsorglichen Menschen, die wir sind. Es gibt viele Alternativen zur herrschaftssüchtigen, profitorientierten, globalisierenden, entmündigenden ‚Fortschritt‘ des Westens.“

[…]“Anstatt eine klar definierte Zukunft vorzuschlagen, basiert ein Pluriversum von Welten auf Weisheiten, die unsere Zugehörigkeit zur Natur wiederherstellen und wachsende Ungleichheiten verhindern. […] Es geht um die Suche nach Wegen für einen Übergang zu einer ökologisch gesünderen, politisch egalitäreren und sozial integrativeren Welt.“ (Aus „Pluriverse – A post-development dictionary“)

Pluriversum in Baiern?

gemeinsam für eine sozial-ökologische Transformation in vielfältigen Welten, die das Leben auf der Erde hegen/fördern/nähren und respektieren – hin zu weltweitem Well-Being / Gutem Leben /Wohlergehen /Wohlstand/ buen vivir (Sumak Kawsay) / Leben in Harmonie

Geschichtsarbeit als Befreiungsbewegungen und Über-Lebensformen der früheren Zeiten: Stabile Bildung von den Generationen und lokalen Grundlagen her, frühere Heimatkunde, heute als Beheimatungs-Kunde der Kinder ausbauen

Weltbewusstsein im Gemeinwesen verankern

Ökologische und Entwicklungspolitische Szenen, Selbsthilfe und Selbstorganisation

Bündnisse nutzen und vernetzen, die Klima-Politik in Nachbarschaften der Selbstorganisation und Betriebe und Projekte in Selbstverwaltung, Geflüchtete mit ihren Erfahrungen einbinden,  

Ziele: Pluritopisch denken! zb keine Universität sondern eine Pluriversität, wie Amawtay Wasi in Ecuador, migrantische Selbstorganisation der pluralen Bildung, Europäischer Lebenslauf als Modell für eigene Zertifikate von Fähigkeiten und Interessen, eine gerechte Aufteilung der Ressourcen der Erde, die unsere gemeinsame soziale, politische und wirtschaftliche Zukunft fördert und bewahrt

Pluriversum – konkret

Landwirtschaft und Direktvermarktung, Bewusstsein von Ökologie und Permakultur, internationale Bewegung der Transition Towns: „Ernährungssouveränität, gestufte ökonomische Organisation, Dekolonisierung des Wissens und des Seins, Dekolonisierung der Religion als Weg zur Befreiung der Spiritualität, Dekolonisierung der Ästhetik zur Befreiung der Ästhetik“ (Walter D. Mignolo)

„Alternativen bezieht sich auf Möglichkeiten, die menschlichen Bedürfnisse und Bestrebungen zu erfüllen, ohne die Erde zu zerstören und ohne die Hälfte der Menschheit zurückzulassen. Diese beziehen sich auf Basisinitiativen für Grundbedürfnisse, Prozesse direkter politischer und wirtschaftlicher Demokratie, Kämpfe für Gerechtigkeit und Gleichheit, Politiken, Technologien und Konzepte/Rahmenwerke, die Strukturen der Unterdrückung, Ungleichheit und Nicht-Nachhaltigkeit in Frage stellen.

Sie können unter anderem von Gemeinschaften, Regierungen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Einzelpersonen initiiert und umgesetzt werden.“ https://vikalpsangam.org/about-us/

“Initiativen mit spezifischen Schwerpunkten wie nachhaltige und ganzheitliche Landwirtschaft, gemeinschaftlich geführte Wasser-/Energie-/Nahrungsmittelsouveränität, Solidarität und Sharing Economy, Arbeitenden-Kontrolle über Produktionsanlagen, Allmende von Ressourcen/Wissen und Frieden und Harmonie zwischen menschlichen Gruppen bis hin zu ganzheitlicheren oder umfassenderen Transformationen, wie sie von den Zapatistas in Chiapas und den Kurd*innen in Rojava angestrebt werden.

Zu den Alternativen gehören auch die Wiederbelebung alter Traditionen und das Entstehen neuer Weltanschauungen, die den Platz des Menschen in der Natur als Grundlage für menschliche Würde und Gleichheit wiederherstellen.”
https://globaltapestryofalternatives.org/introduction

“Globales zivilgesellschaftliches Engagement, ist einmaliges oder mehrmaliges, individuelles oder gemeinschaftliches Handeln, das sich explizit oder implizit am Leitbild der Dekolonisierung orientiert. Es folgt dem Verständnis, dass es für globale soziale, ökologische und ökonomische Gerechtigkeit einer Dekolonisierung auf allen gesellschaftlichen Ebenen bedarf sowie einer Anerkennung von Vielfältigen Alternativen zum westlichen hegemonialen Entwicklungsparadigmas Haas 2021. “Inclusive Volunteering for Global Equality”

Globales zivilgesellschaftliches Engagement zielt darauf ab, transnationale Begegnung (Reziprozität) zu ermöglichen sowie gemeinsame zivilgesellschaftliche Handlungs- und Lernräume zu eröffnen, durch die Macht- und Ausbeutungsverhältnisse intersektional, solidarisch und global bekämpft werden – und letztlich auf die Überwindung der Trennlinien zwischen globalem Norden und Süden hinarbeiten. Globales Engagement zeichnet sich durch Gemeinwohlorientierung, Freiwilligkeit und eine non-profit-Orientierung aus” Haas 2021. “Inclusive Volunteering for Global Equality”

Quellen:

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